Die Zukunft ist eine Werkstatt

Ob wir uns tatsächlich in einem sonderlich innovativen Zeitalter befinden oder nicht ist weniger klar als man auf Anhieb denken könnte. Wissenschaftler vom Pentagon können belegen, dass die Innovationsrate nach Patentanmeldungen pro Kopf 1873 ihren Peak erreichte und 2024 mittelalterliche Verhältnisse herrschen werden[1]. Andere beteuern, dass wir zur Zeit eine klare Beschleunigung der Erscheinung technologisch einzigartiger Innovationen erleben[2]. Gefühlt kommt man jedenfalls den Innovationszyklen kaum hinterher. Facebook und iPhone finden Teenager schon lange nicht mehr cool, das überlassen sie ihren langweiligen Generation X und Y Eltern für deren innere Betriebssystem es oft schon keine Updates mehr gibt. Was kommt als nächstes?

© BSR

Darüber wurde auf der von iDeers Consulting (inzwischen ein Teil von VORN Strategy Consulting) mitveranstalteten Zukunftswerkstatt der BSR vorgetragen und diskutiert. 2014, endlich ist es so weit. Das Internet wird offiziell für alle, die sich auf die Warteliste von Google Glass eintragen konnten, Einzug in oder besser über das reale Leben einhalten. Und wie mit den Handys damals werden die ersten schon als Glassholes verspottet, bis keiner ohne auskommen wird. Angefangen hatte die Verschmelzung mit dem Web 2.0, als das Medium Internet social, also menschlich wurde. Im Gegenzug haucht das Internet der Dinge toten Gegenständen Intelligenz ein. Selbst wenn ein Service-Roboter oder ein 3D Drucker noch nicht online sind hätten sie ohne das Netz keine Chance, revolutionäre Innovationen zu werden. Denn das bahnbrechende an dem 3D-Drucker ist nicht nur, dass die Geräte plötzlich für jedermann erschwinglich sind. Die Modelle sind günstig wenn nicht gar kostenlos über Onlineplattformen erhältlich oder recht einfach, ebenfalls online, gestaltbar. Sogenannte disruptive Innovationen liefern nicht nur die neue Version eines bekannten Produkts sondern schicken vielmehr bekannte Produkte und Prozesse in den Ruhestand. Sie erfüllen dabei den Innovationsbegriff im Sinne Schumpeters und schaffen die kreative Zerstörung, die „unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft“[3] und nebenbei den Durchbruch zum Markterfolg.

Was das für die BSR bedeuten könnte wurde in World Cafés diskutiert. Wenn Müllcontainer denken und kommunizieren, wenn Müllentsorger mit Augmented Reality Brillen ausgestattet sein werden, wird sich die Arbeit radikal verändern? Doch während der Zukunftswerkstatt wurde mehr als nur über den Tellerrand geguckt, es wurde gleich auf andere Sinne und Arten geblickt. Arbeiten der Vater des Internets Vint Cerf und Musik-Legende Peter Gabriel wirklich am Internet der Tiere? Tatsache! Und was passiert wenn das WWW nicht mehr nur Menschen und nicht nur Dinge miteinander vernetzt, sondern auch Tiere unterschiedlicher Spezies? Wer weiß!? Streit zwischen Hund und Katze um eine Runde auf dem Saugroboter wird es trotzdem geben. Aber endlich wird man verstehen wer da was sagt!


[1] Huebner, J. (2005). „A possible declining trend for worldwide innovation“. Technological Forecasting and Social Change 72 (8): 980–986.
[2] Smart, J. (2005). „Discussion of Huebner article“. Technological Forecasting and Social Change 72 (8): 988–995.
[3] Joseph A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. UTB, Stuttgart 2005

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