»Starke Logistik-Marken bieten das bessere Preis-Vertrauens-Verhältnis.«

bvl-003Richtig oder Falsch? Im Interview mit dem BVL-Magazin nimmt Vincent Schmidlin Stellung zu fünf Thesen zum Thema Markenarbeit in der Logistik.

Die Auftragsgewinnung ist ein People Business, da zahlt sich ein aufwendig erarbeitetes Markenbild nicht aus. 

FALSCH. Die Logistik ist durchaus ein People Business, aber wer jenseits des eigenen Kontaktnetzwerks Wachstum generieren will, braucht ein starkes Markenbild. Insbesondere in einem wettbewerbsintensiven Umfeld ist ein gutes Markenimage wichtig. Ein starkes Markenbild schafft Vertrauen und erleichtert den Entscheidungsprozess: 96 Prozent der Logistikentscheider geben lt. einer Studie des Marktforschungsinstituts Kleffmann an, dass der Ruf eines Dienstleisters eine wichtige Rolle bei der Auftragsvergabe spielt. Darüber hinaus strahlt ein Logistiker mit starkem Image auch positiv auf das eigene Unternehmen ab.

Ein positives Image der Logistik insgesamt hilft, den Fachkräftemangel zu bewältigen. 

RICHTIG. Die Logistik kämpft nicht nur innerhalb ihres eigenen Bereichs, sondern auch mit vielen anderen Wirtschaftszweigen um dieselben guten Köpfe. Ein Logistikunternehmen allein kann diesen Kampf nicht gewinnen. Vielmehr geht es darum, sich in einer Allianz zu vereinigen und eine souveräne, differenzierende und attraktive Employer-Branding-Strategie zu entwickeln. Dies wird nicht nur Fachkräfte anziehen, sondern auch die jetzigen Beschäftigten langfristig an den Wirtschaftsbereich Logistik binden.

Aufträge werden in Zeiten der Ausschreibungspflicht nach dem Preis erteilt – und nur nachrangig nach dem Imagewert eines Logistikunternehmens. 

FALSCH. Der Preis wird in der Logistik gnadenlos von den Kapazitäten gesteuert. Branchenweit herrschen Standardprodukte und -preise vor. Doch wenn überall die Preise fixiert sind, wem schenke ich dann mein Vertrauen? Hier kommen starke Marken ins Spiel. Entscheider haben erkannt, dass inzwischen auch andere Faktoren wie Glaubwürdigkeit, Transparenz, Fachwissen sowie ein offener Dialog mit Kunden ausschlaggebende Kriterien sind. Und diese werden durch eine starke Marke deutlicher transportiert. Kunden schätzen das bessere „Preis-Vertrauens-Verhältnis“, das nur starke Marken bieten.

Innovationsgetriebene Logistikdienstleister gewinnen automatisch ein positives Markenimage. 

FALSCH. Innovation kann durchaus ein positives Markenimage erzeugen, doch das ist kein Automatismus. Innovationen sollten immer im Sinne der Zielgruppe entwickelt werden und damit relevant für sie sein. Erst wenn eine starke Innovationskultur als ständiger Prozess im Unternehmen verankert wird und einen Mehrwert für den Kunden bietet, liefert sie einen positiven Beitrag zum Aufbau eines starken Markenbildes.

Logistik ist ein B2B-Thema – Marken wirken in diesem Segment nicht. 

FALSCH. Markenführung ist auch im B2B-Bereich geschäftsentscheidend. Wer für Kunden, Partner sowie jetzige und zukünftige Mitarbeiter relevant und attraktiv sein will, muss seine Marke klar definieren und in sie investieren. Dazu gehören ein klares Versprechen, Werte, eine Mission und ein einzigartiger Kristallisationspunkt, der den Mehrwert der Marke kraftvoll verdichtet. Eine starke B2B-Marke wirkt sich in höherer Attraktivität, stabileren Kundenkreisen, stetigerem Wachstum und im Endeffekt in einem höheren Unternehmenswert aus.

Zuerst erschienen im BVL-Magazin, veröffentlicht am 20.10.2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *