Instagram – unterschätzt und missverstanden

Warum man das Foto-Netzwerk auf der Agenda haben sollte

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Von Miriam Klein, Jonas Gorris

Die blanken Zahlen vorweg: Weltweit nutzen mehr als 400 Millionen Menschen Instagram. In Deutschland verzeichnet das Foto-Netzwerk immerhin schon 9 Millionen Nutzer. „Schön und gut,” werden Skeptiker sagen, „aber ist diese Nutzer-Basis denn überhaupt aktiv? Und sind sie für Unternehmen und Marken zu erreichen? Und ist das nicht nur was für Teenies?”

Ja, ja, nein. Über 60% der Nutzer besuchen das Netzwerk täglich und teilen dabei im Durchschnitt mehr als 80 Millionen Bilder. Doch haftet Instagram immer noch das Image an, ein Spielplatz für der Ausleben der narzisstischen Triebe einer auf sich selbst fokussierten Generation zu sein, auf dem in erster Linie Bilder von Sonnenuntergängen, Schmollmund-Selfies und perfekt inszenierte Food-Fotos gepostet werden. Ein Klischee, mit dem aufgeräumt werden muss. Instagram ist längst im Olymp der sozialen Medien angekommen und kann (bzw. darf) von keinem Unternehmen länger einfach abgetan werden. – Nicht nur, dass sich auf Instagram die von so vielen Unternehmen heiß begehrte Zielgruppe der Millennials tummelt, Instagramer sind auch besonders offen für Inhalte, die von Marken angeboten werden.

Der König der Interaktion

Nun sind solche Nutzer-Statistiken nur so viel wert, wie das Engagement, das sie auslösen. Die Kollegen von Forrester Research wollten das genauer wissen und haben nachgefragt. Ihr Urteil: „Instagram Is The King Of Social Engagement.” So erreichen Top-Marken durchschnittlich eine Interaktionsrate von 4,21% pro Follower – 58 mal höher als bei Facebook, 120 mal höher als bei Twitter. Beispiel gefällig? Das Team von Forrester Research beobachtete ein Video von RedBull, in dem unter dem #DoublePipe eine neue Halfpipe präsentiert wurde. Innerhalb von vier Tagen wurde das Video auf Facebook 2.600 mal geliked, bei 43 Millionen Facebook Fans. Auf Instagram sammelte das Video beeindruckende 36.100 Likes, bei 1,2 Millionen Fans.

Nun ist das ein besonders drastisches Beispiel und natürlich beziehen sich die oben genannten Zahlen auf große Marken, die ohnehin schon über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügen, doch sind sie ein guter Indikator dafür, wie sich das Nutzer-Verhalten entwickelt und entwickeln wird.

Auf der Suche nach zwangloser Inspiration

Man mag einwenden: „Nun sind wir aber nicht Red Bull mit einer gewaltigen Content-Maschinerie im Hintergrund, die eine action-geladene Lifestyle-Welt bespielt.” Macht nichts! Es braucht nicht unbedingt spektakuläre Action-Szenen, um Instagramer zu begeistern und zur Interaktion zu verleiten. L2 hat die Instagram-Aktivitäten großer Unternehmen beobachtet und festgestellt: Die Inhalte, die die höchsten Interaktionsraten erzielten, waren … man höre und staune … Produkte! Denn Menschen, die Marken auf Instagram folgen, wissen, dass sie Produkte zu sehen bekommen werden. Es liegt in der Natur eines Foto-Netzwerks, dass sich die Nutzer gerne berieseln lassen und Inspiration suchen.

Laut James Quarles geben 60% der Nutzer an, über Instagram auf neue Produkte und Services aufmerksam geworden zu sein. Von diesen Befragten wurden 75% tatsächlich aktiv und konnten als Käufer gewonnen werden. Nun muss der Mann diese Zahlen präsentieren, ist er doch Global Head of Business Development bei Instagram.

Wie dem auch sei – wir halten fest: Instagram ist nicht nur der beste Ort im Social Web, um Interaktion mit (potenziellen) Kunden zu schaffen, das Netzwerk bietet einen interessanten Raum für die Präsentation von (neuen) Produkten und Services. Und trotzdem wird Instagram von vielen Unternehmen noch eher zaghaft oder stiefmütterlich behandelt. Warum?

Instagram – unterschätzt und missverstanden

Das mag zum einen daran liegen, dass viele Unternehmen einfach noch nicht die erforderlichen Kompetenzen bzw. Ressourcen aufgebaut haben, vor allem aber lässt sich der Einfluss auf Vertriebserfolge nur schwer oder gar nicht messen. Denn Instagram funktioniert mit Bildern. URLs oder Links können unter den Fotos der Owned Channels nicht geteilt werden, sodass kein unmittelbarer Traffic auf die Website generiert wird. Das macht die Argumentation bei Budget-Allokationen in so manchem Unternehmen schwierig.

Man muss sich bewusst werden, dass Instagram kein Apparat für Performance-Marketing ist, sondern viel mehr als digitaler Branding-Kanal verstanden werden muss, der den Aufbau und die Stützung von Image oder Markenbekanntheit wie kein anderes soziales Medium treiben kann.

Also … lasst uns dem König der Interaktion huldigen! Es könnte sich lohnen.

 

Quellen:  
http://blogs.forrester.com/nate_elliott/14-04-29-instagram_is_the_king_of_social_engagement
https://blog.hootsuite.com/de/zahlen-und-fakten-was-sie-schon-immer-ueber-instagram-wissen-wollten/
http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Instagram-Manager-James-Quarles-Stories-ist-auch-nur-ein-Format-genau-wie-Hashtags-und-Newsfeeds-142830
http://www.wuv.de/digital/die_10_besten_instagram_auftritte_deutscher_unternehmen

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