Bot segne euch

Die 3 skurrilsten Tech-Neuheiten

VORN_Bot_Tech-Neuheiten

von André Hörmeyer

Die Digitalisierung hält viele Wunder bereit. Ohne Zweifel überschlagen sich Entrepreneure heutzutage mit disruptiven Ideen, die Wirtschaft und Gesellschaft tiefgreifend umgraben. Doch nicht jeder findet bei seiner Innovation den schmalen Grad zwischen „Wow, sowas habe ich ja noch nie gesehen!“ (Startup-Guru Peter Thiel würde das eine „Zero to One“ Idee nennen) und „Ahhh, das ist ja wie XY nur besser.“ (Eine vorhandene Idee wird aufgriffen und massentauglich optimiert, auch „One to n“). Viele Organisationen wollen unbedingt innovieren, ohne sich vorher die nötigen Kompetenzen anzueignen, um Fortschritt sinnvoll in ihr Business Modell zu integrieren. So ergeben sich teilweise skurrile Innovations-Stilblüten, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

1. Kerastase Hair Coach: Die erste Smart-Haarbürste der Welt

Besonders in der Beauty-Branche spüren Unternehmen einen enormen Innovationsdruck. Anstatt nur das nächste Shampoo mit Heilerde oder Avocadoöl anzubieten, probiert sich der Beauty-Experte L’Oréal als technologischer Innovator: Kürzlich stellte die Konzernmarke Kerastase die erste Smart-Haarbürste der Welt vor. Eine eingebaute Kamera scannt die Haarstruktur und übermittelt Daten über deren Zustand an eine zugehörige App. So sollen bessere Pflege- und Styling-Tipps entstehen. Der Kostenpunkt von rund 200€ dürfte den Siegeszug dieser Innovation erheblich erschweren. Selbst Beauty-Junkies werden sich fragen, ob ihnen die Kamera in der Haarbürste mehr wert ist als mehrere Friseur-Besuche. Bei aller Skepsis ist der Erfindungsreichtum des Unternehmens allerdings auch zu loben. Und wer weiß: Vielleicht ist die Kerastase Smart-Haarbürste tatsächlich der erste Prototyp einer Produktkategorie, die wir uns in ein paar Jahren gar nicht mehr aus dem Badezimmer wegdenken können.

2. Hushme: Das Noise Cancelling Device im praktischen Bondage Design

Die Idee ist gut, doch das Design noch nicht bereit. Diesen Eindruck vermittelt der Produkt-Trailer des Hushme Noise Cancelling Device. Dabei macht das Startup, das sich über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert, vieles richtig. Der Insight stimmt: Im Büro oder an öffentlichen Orten kann es unangenehm sein Telefongespräche zu führen – für uns und alle um uns herum. Doch, wenn im Video dann die geniale Lösung des Problems präsentiert wird, reibt man sich verwundert die Augen. Die schwarze Hartplastik-Apparatur, die um Kopf und Mund gespannt wird, wirkt eher befremdlich. Bei diesem Umschnall-Telefon regen sich unfreiwillig Assoziationen zwischen Comic-Bösewicht und Sexshop-Schaufenster. Wenn man bedenkt, dass ein wesentlicher Bestandteil des Problems, das Hushme damit lösen möchte, im Unwohlsein an öffentlichen Orten liegt, scheinen sich Funktion und Design hier extrem zu widersprechen. Da hört man sich lieber die Gespräche des Sitznachbarn in der U-Bahn an, als in einem Zug voller stimmloser Sadomaso-Bösewichte zu sitzen.

3. BlessU-2: Der Segensroboter

Oh Bot! Ist es wirklich Zufall, dass sich zum aktuellen Chatbot-Trend so einfach so viele himmlische Wortspiele machen lassen? „Bot sei Dank!“ denkt man sich jedenfalls bei der jüngsten Antwort der evangelischen Kirche auf den Chat-Roboter Hype. Nachdem Facebook voran ging und Marketers weltweit Chatbots zum Buzzword hochschaukelten, heben die Kirchen in Deutschland das Phänomen zum Reformationsjahr auf ein ganz neues Level. In Zusammenarbeit mit dem Medienkünstler Alexander Wiedekind-Klein entstand der Segensroboter „BlessU-2“. Der – im Gegensatz zu Chatbots, die nur in virtuellen Messenger Apps funktionieren – anfassbare Roboter kann auf Knopfdruck segnen. „Möchten Sie von einer weiblichen, oder männlichen Stimme gesegnet werden?“ fragt er den Nutzer zu Beginn und klimpert mit seinen charmant blinkenden LED Augen. Dann schraubt er die Arme in die Höhe, während seine Handflächen erstrahlen und er das Wort Gottes spricht. Wer möchte, kann sich seinen Segen zum Schluss sogar ausdrucken lassen. Anders als bei den beiden oberen Beispielen kann diese Aktion auch als  kritischer Kommentar zur Digitalisierung gelesen werden.

Innovations-Stilblüten sind also nicht bloß unterhaltsam und weisen uns auf die vielen kleinen Fehler hin, die während eines Innovationsprozesses passieren können. Man kann sie auch als Kunst verstehen – egal, ob ihre Urheber das wollen, oder nicht.

Quellen:

https://www.golem.de

https://www.gethushme.com

https://www.cnet.com

Ein Kommentar

  1. Danke für diesen tollen Beitrag
    War sehr aufschlußrecih und ich konnte einige Dinge mitnehmen
    Werde nun doch regelmäßig reinschauen und freue mich uf weitere Infso
    Viele Grüße
    Helge

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