Schreibt ein Kind die bessere Markenvision?

Was Markenverantwortliche von Kindern lernen können

VORN Markenvision Uli_Drömann

Von Uli Drömann 

Wird ein Zehnjähriger danach gefragt, was er sich für das Jahr 2100 vorstellt, ist er in der Lage einen Aufsatz zu schreiben, der von Vision, Zuversicht und Ehrlichkeit bzgl. menschlicher Bedürfnisse nur so strotzt. Erwachsene haben das belächelt. Was früher, im Jahr 2000, nur in kühnen Abenteuer-Comics vorstellbar schien, ist jedoch heute teils Realität und wurde mit Kindesaugen als selbstverständlicher Bestandteil der Zukunft betrachtet. Angefangen bei Wasserhähnen mit Annäherungssensoren für den Privatbereich, über autonome Drohnen, die Menschen transportieren, interaktive und intelligente Sprachsteuerung, bis hin zum Wunsch danach, eine emotionale Beziehung zu einer künstlichen Intelligenz aufzubauen und ihr einen Spitznamen zu geben. Ein Aufsatz, den meine Mutter glücklicherweise aufgehoben und neulich wieder hervorgekramt hat. Er offenbart, welche mentalen Grenzen uns im Alltag von derart unbefangenem Denken abhalten. Das Problem gleich aussehender Roboter wurde darin erkannt und pragmatisch durch das Ankleben von Kaugummi gelöst. Die ablehnende Haltung der vorangegangenen Generation gelöst, in dem Abwaschen und Kinderbetreuung als ein für die ältere Zielgruppe relevanter Nutzen identifiziert wird.

SCHREIBEN KINDER ALSO DIE BESSEREN MARKENVISIONEN?

Nein. Aber hören wir genau hin, wenn unsere Kinder über die Zukunft sprechen! Lernen wir von ihnen, wieder größer zu denken! Es ist ihre Zukunft, an der wir jeden Tag arbeiten. Lassen wir sie daran mitwirken.

LEGO ist ein Beispiel für die belebende Kraft einer starken Vision und die Innovationskraft des kindlichen Denkens. Einst ein einfacher Baustein, der grenzenlose Fantasie entfesseln konnte. Heute Ursprung der abenteuerlichsten Geschichten, Figuren und Charaktere, die in unsere Kinderzimmer Einzug halten. LEGOs Ziel lautet „Inspire and develop the builders of tomorrow“. Ein Ziel, das sich weder an quantitativen Messgrößen, noch an dem eigentlichen physischen Produkt orientiert. Eine Vision, die zahlreiche Menschen zu verbinden und motivieren vermag und wieder andere abstoßen wird. Um dieser Vision gerecht zu werden, arbeitet das Unternehmen in zahlreichen Projekten mit Kindern zusammen und lädt Kinder täglich ein, gemeinsam Fantasiewelten, Bauwerke, Charaktere und Geschichten spielerisch zu entwickeln.

Visionen waren Ursprung der erstaunlichsten historischen und gesellschaftlichen Umwälzungen und dienten der Rechtfertigung von unkonventionellem und unmoralischem Handeln. Sie treiben Fortschritt, Veränderung und weisen unserer Gesellschaft einen Weg. Eine Vision ist es wert, nach ihr zu streben und lässt es zu, an sie zu glauben. Sie inspiriert die einen und verschreckt die anderen. 

EINE KRAFTVOLLE MARKENVISION SPRICHT IN UNS DAS BEDÜRFNIS DANACH AN, EINEN BEITRAG ZU LEISTEN UND ETWAS IN DIESER WELT ZU BEWEGEN, ODER GAR ETWAS ZU HINTERLASSEN, DAS GRÖßER IST ALS WIR SELBST – BEDEUTENDER ALS GELD.

Und doch sind Visionen gerade im wirtschaftlichen Kontext allzu oft berechenbar, treiben niemanden an und verschwinden nach nicht allzu langer Zeit in der Bedeutungslosigkeit oder in der Schublade des Vorstands. Berechen- und Absehbarkeit haben nichts gemein mit wahrhaftigen Visionen. Quantitative Messgrößen haben ebenso wenig in einer Markenvision verloren wie Floskeln, deren Inhalt ungewollt wie unverstanden bleibt. Man sollte annehmen dürfen, dass eine Vision dem bisher Bekannten eine gänzlich neue Dimension gibt, alles vorhandene in Frage stellt und eine direkte und disruptive Auswirkung auf die Gesellschaft oder die Belegschaft hat.

Derartige Visionen können entstehen, gedeihen und überzeugen, aber sie können nicht einfach erzwungen oder gar aufgezwungen werden. Auch nicht um eine Unternehmensstrategie zu verbalisieren, viele Mitarbeiter zu erreichen und eben diese zu motivieren.

ES GILT EINE VISION HERAUSZUKITZELN, DENN SIE IST OFT SCHON LANGE TEIL UNSERES SEINS, ALS INDIVIDUUM UND ALS KOLLEKTIV.

Steve Jobs und Elon Musk werden zurecht als Visionäre unserer Zeit gefeiert. Beide vermochten es mehrfach durch die Verkündung ihrer Visionen, ganze Branchen erzittern und die Gesellschaft umdenken zu lassen. Ihren Erfolg an der Verwirklichung jener Visionen zu messen, würde der Tragweite ihrer Auswirkungen nicht gerecht. Eine inspirierende Markenvision vereint Menschen, sie ist gewagt und doch greifbar, sodass es sinnvoll erscheint, nach ihr zu streben. Der Weg ist das Ziel. Doch wie entwickelt man derart überzeugende Visionen?

DIESE MARKENVISIONEN STROTZEN GERADEZU VOR BEDEUTUNG UND MOTIVATION:

IKEA
„To create a better everyday life for the many people“

Ford
„To democratize the automobile“ 

KODAK
„To make photography as simple as using a pencil“

Google
„To organize the world’s information and make it universally accessible and useful“

Wikipedia
„Imagine a world in which every single person is given free access to the sum of all human knowledge“

SPACE X
„Enabling people to live on other planets“

Tesla
“To create the most compelling car company of the 21th century by driving the world’s transition to electric vehicles”

Um groß zu denken reicht oft schon ein Schritt zurück, der uns hilft, das Große überhaupt erstmal erfassen zu können. Um aber visionär zu denken lohnt es sich, gedanklich den Weg zu unseren ersten Schritten zurückzulegen. Zurück zu den ersten Gedanken an Unabhängigkeit, die große Welt da draußen und all die unzähligen Möglichkeiten die vor uns lagen, als wir Astronaut werden wollten, uns vorstellen konnten zu fliegen, und der Weltfrieden nur etwas war, das noch keiner so richtig probiert hatte. Grenzenlos, unaufhaltbar und fantastisch sind die Gedanken eines jeden Kindes, ungeachtet der etablierten Grenzen und Konventionen unserer Gesellschaft. „Warum nicht?“ ist nicht der Beginn einer Suche nach Ausreden, sondern Ausdruck der Einstellung sich über eben diese hinwegzusetzen.

3 GRUNDPFEILER EINER KRAFTVOLLEN UND BEWEGENDEN MARKENVISION:

  1. Kenne den Ursprung. Eine Vision gibt eine Richtung vor, nicht nur ein Ziel. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vorher des eigenen Ursprungs bewusst zu werden. Eine ausführliche Analyse von Historie, Marktumfeld und Marke ist daher unbedingte Grundvoraussetzung.
  1. Überwinde gedanklichen Barrieren. Denke kindlich, groß und ohne „aber“. Ist die Vision innerhalb der nächsten 5 Jahre problemlos zu realisieren, bist du zu ängstlich. Ist sie grundsätzlich nicht greifbar und realisierbar, hast du den Ursprung vernachlässigt. Der Sweetspot liegt irgendwo zwischen Größenwahn und langfristiger Erreichbarkeit.
  1. Finde den Antrieb. Eine echte Vision ist nicht monetär motiviert, sondern reizt Menschen, sich ihr anzuschließen und hat den Charakter eines Lebenswerkes. Sie beantwortet im Idealfall auch die Frage danach warum ihre Anhänger jeden Tag ihrer Arbeit nachgehen.

 

Quellen: 

Beispiele für Markenvisionen aus der Praxis – Uli Drömann
Brainquote
Businessplans.org
Google
IKEA
Leaders Start to Finish: A Road Map for Developing Top Performers – Anne Bruce,Stephanie M. Montanez
Panmore.com
Reinventing You: The 10 Best Ways to Launch Your Dream Career – Lisa Lockwood
Stickybrading.com
SpaceX
Tesla
Panmore.com
Write a Business Plan in No Time – Frank Fiore

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