DIE KUNST DES BRÜCKENBAUENS

Was Design und Management miteinander zu tun haben

VORN_Design Management

Von Jutta Bärenfaller

Seit ich mich dazu entschieden habe, Design Management zu studieren, werde ich gefragt, was das denn eigentlich sei. „Gute Frage“, erwidere ich dann meistens, obwohl sich vor meinem inneren Auge immer schon eine Brücke als Verbindung zwischen Design und Management bildet. Denn bei all den existierenden Definitionen von Design Management sind sich alle in genau dem Punkt einig, dass Design Management die dringend notwendige Brücke zwischen den beiden Bereichen darstellt. Leider sagt dies noch nicht allzu viel aus, darum folgt hier ein Versuch, Design Management und seine Aufgabe in der Welt kompakt zu erklären.

Eine sehr umfassende Definition findet man bei Kathryn Bests Buch „The Fundamentals of Design Management“. Sie beschreibt Design Management als das gelungene Management von Menschen, Projekten, Prozessen und Vorgängen hinter all den erfolgreich designten Produkten, Erfahrungen und Dienstleistungen unseres täglichen Lebens. Wobei Design nicht nur als konkrete Formgestalt verstanden werden soll, sondern auch als die immaterielle Gestaltung von Prozessen und Informationen. Gleichzeitig soll Design Management Beziehungen zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Rollen schaffen und verhilft diesen zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Da Design Manager in Bereichen wie Design, Marketing, Management und Finanzen ausgebildet werden, haben sie ein großes Verständnis für die einzelnen Disziplinen und dies ermöglicht es ihnen, sich in die Welt unterschiedlicher Kunden, Designern, Projektteams und Interessensgruppen einzufühlen. Im Grunde genommen ist Design Management ein holistischer Ansatz, der jegliche Bereiche und Ansätze verbinden, organisieren und weitergestalten will, um das Beste für jeden Beteiligten zu erreichen.

Design Management bringt – auf allen Stufen – ein neues offenes Mindset in die Köpfe der Menschen ein, um ein gemeinsames Umdenken zu kreieren und bestehende Silos in Unternehmen oder Branchen aufzulösen. Einzelne Expertenbereiche sollten interdisziplinär über unterschiedliche Projekte zusammenarbeiten können. Daraus erschließen sich viele wertvolle Vorteile – für das Team, den Kunden und das Unternehmen selber. Design spielt dabei eine wichtige Rolle als Bindeglied, zum Beispiel werden durch Design Thinking und Human-Centred Design Menschen zusammengebracht, die lernen, ihre bisherige Perspektive zu wechseln und so gemeinsam neue Aspekte zu entdecken, die zur Lösung des identifizierten Problems führen können.

Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer interdisziplinären Zusammenarbeit habe ich selber in einem Modul erfahren als wir mit Studenten aus den Bereichen Objektdesign, Textildesign, Kunst und Vermittlung und Illustration eine Ausstellung am Design Saturday 2016 in Langenthal (Schweiz) planen und umsetzen mussten. Die Endbilanz von drei Monaten voll mit Diskussionen, Ideen, Prototyping und Bauen war der dritte Platz in der Kategorie ‚Carte Blanche’. Die Einsicht von allen Mitschaffenden war, dass es eine neue Art von Zusammenarbeit war, aber das Endergebnis nicht besser hätte sein können.

„More recently, Design is being valued as an enabler of innovation and collaborative (as well as competitve) advantage.“ – Kathryn Best

Dies führt mich zu den drei entscheidenden Vorteilen, wenn Design in alle Bereiche eines Unternehmens integriert ist:

  1. Innovation: Mehr neue Ideen entspringen
  2. Qualität: Mehr Expertenwissen ist vorhanden
  3. Effizienz: Mehr Dynamik entsteht

Obwohl diese Punkte für jedes Unternehmen wünschenswert sind, braucht es immer noch viel Zeit, um die Denkweise in allen Bereichen zu adaptieren. Da die Integration einen großen Unterschied zu bisherigen Ansätzen macht, bedarf es einer gewissen Bereitschaft und Akzeptanz aller Beteiligten. Jedoch muss ein Umdenken stattfinden, um die wachsenden und oft komplexen Bedürfnisse der Kunden und des Marktes in Zukunft vollumfänglich abdecken zu können. Der Fokus muss dabei beim Menschen und seinen wahren Problemen liegen. Dies kann man durch einen iterativen Prozess von Beobachtungen, Brainstormings, Prototyping und Tests herauskristallisieren, da Kunden oft nicht ihre wirklichen Probleme identifizieren und benennen können.

Design Management wird in Zukunft hoffentlich eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, Design zum Wohle aller einzuführen und den positiven Einfluss auf Produkte und Service für eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

 

QUELLEN:
Kathryn Best, Design Management: Managing Design Strategy, Process and Implementation, 2015
Kathryn Best, The Fundamentals of Design Management, 2010
Jan-Erik Baars, http://www.designfokus.de

 

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