Stille Post mal anders

Die Deutsche Post als technischer Vorreiter

Bildschirmfoto 2017-11-14 um 12.04.27Von Carolin Bremer & Franziska Mülling

Dass die weltweite Automobilbranche einen Wandel erlebt, ist kein Geheimnis mehr. Nicht nur seit dem Dieselskandal, sondern spätestens seit den aktuellen Kartellvorwürfen und der zunehmenden Kritik an der Umweltfreundlichkeit von Dieselmotoren wird klar, dass sich in den nächsten Jahren einiges in dieser Branche ändern muss. Ein Unternehmen, das diesen Veränderungen vollkommen unerwartet zuvorkommt und die Vorreiterrolle übernimmt, ist die Deutsche Post. Mit der Produktion ihrer E-Autos gehört sie bereits zu den größten Herstellern von Elektroautos in Deutschland.

Ursprünglich plante die Deutsche Post lediglich den Einkauf von Elektroautos, doch leider gab es keinen Hersteller, der ein passendes Fahrzeug im Angebot hatte order zu produzieren bereit war. Lediglich das Aachener Start-up Streetscooter war bereit, mit ihnen zu kooperieren. Seit 2014 gehört das Jung-Unternehmen zum Post- und Logistikkonzern.

Die Post zeigt Autoherstellern den Weg  

Streetscooter_Deutsche_Post

Der Streetscooter der Deutschen Post (Bild: Deutsche Post)

Bereits im Frühjahr 2016 hat die Deutsche Post mit der Serienproduktion zweier elektrisch betriebener Zustellfahrzeuge, den so genannten Streetscootern, begonnen. So wurde das weltweit größte Post- und Logistikunternehmen zum vierterfolgreichsten Elektroautoproduzent in Deutschland (nach Fahrzeugzulassungen). Das überraschend große Interesse an den Fahrzeugen hat die Deutsche Post nun dazu bewegt, stärker in den Bereich der Elektromobilität einzusteigen.

Von den 47.000 Fahrzeugen, die deutschlandweit für die Post im Einsatz sind, sind 3.000 bereits Streetscooter mit elektrischem Antrieb. Bis zum Ende dieses Jahres soll diese Anzahl noch auf 5.000 gesteigert werden. Dazu führte das Unternehmen nicht nur ein neues Modell, den Streetscooter Work XL ein, sondern plant auch die Eröffnung eines weiteren Produktionsstandorts in Nordrhein-Westfalen. Im bestehenden Herstellungsstandort Aachen soll außerdem eine zweite Schicht eingeführt werden, um die Jahreskapazität zu steigern. Langfristig plant die Deutsche Post ihre Flotte ausschließlich auf Elektroantrieb umzustellen, eine globale Expansion voranzutreiben, sowie den Vertrieb an Dritte zu ermöglichen. Die Basismodelle „Work“ und „Work L“ werden ab 32.000 Euro erhältlich sein. Sie fahren bis zu 120 Stundenkilometer. Mit einer Ladedauer von 7 bis 10 Stunden schaffen sie es, bis zu 80 Kilometer zurückzulegen. Auch eine entsprechende Ladestruktur will die Deutsche Post Interessenten zur Verfügung stellen.

Autonome Zustellung ab 2018

Diese Vorhaben sind noch nicht das Ende der Fahnenstange. Die  Deutsche Post plant für 2018 eine Streetscooter Flotte einzuführen, die vollkommen autonom die letzten Kilometer der Zustellung übernimmt. Diese Fahrzeuge, die gemeinsam mit Nvidia und dem Zulieferer ZF entwickelt wurden, verfügen über künstliche Intelligenz, Kameras, Radar- und Lidarsensoren, welche die Entfernung von Objekten durch Mikrowellen bzw. Infrarot- oder sichtbare Lichtstrahlen messen. So können sie Daten und Bilder der Umgebung wahrnehmen. Selbstständiges Parken und eigenständiges Planen der Route kann dadurch vom Fahrzeug übernommen werden.

Der Zusteller fährt im Auto mit und kümmert sich wie bisher um die Auslieferung zum Briefkasten oder direkt an die Haustür. In Zukunft soll die autonome Flotte ähnlich einer mobilen Paketstation fungieren. In diesem Fall wird der Empfänger benachrichtigt, sobald das Fahrzeug vor der Tür steht. Durch einen PIN-Code kann das Paket entnommen werden.

Für ihre Bestrebungen wird die Deutsche Post vom Bundesumweltministerium mit ca 9,5 Millionen Euro unterstützt und kooperiert mit Ingenieuren der Hochschule Aachen. Ziel ist es, die Reichweite der Fahrzeuge zu verbessern, umweltfreundlichere Brennstoffe zu testen und in der Automobilbranche Fuß zu fassen.

Roboter – der neue beste Freund des Briefzustellers

Postbot

Der Postbot im Testbetrieb (Bild: Jens Meyer/AP/dpa)

Nicht nur für den Pakettransport hat sich die Post Gedanken gemacht, sondern auch Briefzustellern wird sie in Zukunft unter die Arme greifen – oder vielmehr eine Last von den Schultern nehmen. Seit einigen Wochen testet das Unternehmen den sogenannten Postbot. Das ist ein 1,5 Meter hoher, elektrisch fahrender Wagen, der dem Zusteller auf Schritt und Tritt folgt. Der Roboter hat die Waden des Briefträgers eingescannt und folgt diesem unablässig mit einem Abstand von einem Meter. Er ist in der Lage Bordsteine zu überwinden und anderen Menschen auszuweichen. Der Roboter soll in Gegenden eingesetzt werden, in denen bislang ein Handwagen genutzt wurde.

Auch die Konkurrenz schläft nicht 

Starship

Der Lieferrobotor Starship (Bild: REUTERS/Wolfgang Rattay)

Neben der Deutschen Post ist auch noch ein weiteres Unternehmen dabei, die Vorteile der Elektromobilität für sich zu nutzen. Der Paketdienst Hermes testet in Hamburg aktuell einen Lieferroboter. In drei Stadtteilen der Hansestadt werden bisher 100 Testkunden mit Paketen aus ausgewählten Shops beliefert. Der sechs-rädrige Roboter kann bis zu 15 Kilogramm befördern, eine Entfernung von fünf Kilometern zurücklegen, vor Hindernissen stoppen und Fußgängern ausweichen. Anders als fliegende Drohnen, die von den Internet-Riesen Amazon und DHL genutzt werden, wirken die Miniroboter freundlicher und nahbarer. Auch der Handelskonzern Metro testet den Einsatz von Lieferrobotern im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg.

Geht nicht, gibt’s nicht!

Der weltweit größte Logistikkonzern macht vor, wie wichtig es ist, Trends und Veränderungen im internationalen Geschehen, nicht nur in der eigenen Branche im Blick zu behalten. Die Deutsche Post hat frühzeitig erkannt, dass E-Mobilität von großer Bedeutung ist. Da sie die Aussage zur Verfügbarkeit von passenden E-Autos nicht akzeptieren wollten, haben sie nach eigenen Lösungen gesucht und diese gefunden. Das Unternehmen war in der Lage, den Wandel der Automobilbranche zum eigenen Vorteil zu nutzen. Über ihr Kerngeschäft hinaus werden ein innovatives Produkt und die dazugehörige Serviceleistungen angeboten, die der Markt gerne annimmt. Ideenreichtum und Mut verhelfen der Deutschen Post zu mehr Erfolg und einer positiven Aufladung des Markenimages. Das verleiht ihnen branchenübergreifend Anerkennung und Respekt. Auch in Zukunft wird es spannend sein, die Entwicklung der Streetscooter und deren Einführung in den Markt zu beobachten.

 

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