GUTE VORSÄTZE 2018

Was sich Unternehmen für das neue Jahr vornehmen sollten

 

Von Vivian Belz und Christine Schulz

Neues Jahr, neue Vorsätze. Wir alle kennen es. Noch eben haben wir mit der Familie unter dem Weihnachtsbaum gesessen und Geschenke ausgepackt, und schon ist das Jahr wieder vorüber und 52 unbeschriebene Wochen liegen vor uns.
Viele von uns nutzen die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, um zu reflektieren, was sie im vergangenen Jahr erlebt haben und entwickeln gute Vorsätze für das kommende Jahr – zum Beispiel mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören oder mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen.
Aber darum soll es heute nicht gehen. Vielmehr wollen wir reflektieren, was erfolgreiche Business Leader im Jahr 2017 als Erfolgsfaktoren für die Zukunft ihres Unternehmens definiert haben und von denen wir glauben, dass sie im Jahr 2018 höchste Relevanz haben werden. Was also können sich Unternehmen für die kommenden 365 Tage vornehmen? Wir haben die drei wichtigsten Vorsätze herausgearbeitet:

Go Fully Digital

Digitalisierung? Da kommen bei dem ein oder anderen Unternehmer Déjà-vu-Gefühle auf. Aber wie das mit den guten Vorsätzen so ist, stehen manche jedes Jahr wieder ganz oben auf der Liste.
Natürlich ist das Thema Digitalisierung nicht für jedes Unternehmen neu. Denn angekommen in der Industrie 4.0 wird das Ausmaß der zunehmenden Transformation unseres Umfelds von analog zu digital deutlich: von smart City über smart Home bis hin zu smart Luggage.

„Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Was vernetzt werden kann,
wird vernetzt. Was automatisiert werden kann, wird automatisiert.“1
– Karl-Heinz Land, Gründer und CEO von Neuland

Die Bedeutung dieses Vorsatzes richtet sich danach, wie weit die Digitalisierung im Unternehmen vorangeschritten ist. Für die einen heißt es, eine ganzheitliche digitale Struktur zu etablieren anstelle selektierten Aufarbeitens von Prozessen. Andere Unternehmen stehen vor der großen Aufgabe, die digitale Transformation als notwendigen Schritt anzuerkennen und anzugehen. Dieses richtet sich insbesondere an die Finanz- und Medizinbranche, den Einzelhandel sowie Institutionen im öffentlichen Bereich. In diesem Zusammenhang stößt man oft auf den Trendbegriff des Digitalen Darwinismus, der wie Edgar Allan Poes Pendel des Todes über Unternehmen schwingt und diejenigen trifft, die nicht bereit sind, grundlegend um- sowie einen Schritt weiter zu denken.

Create Rich Customer Experience

Höher, schneller, weiter. Wir leben im goldenen Zeitalter der User Experience, die sich durch immer neue Technologien stetig weiterentwickelt und über sich selbst hinauswächst. Die Schnelligkeit, mit der Marken neue überwältigende Erlebnisse schaffen, nimmt immer mehr Fahrt auf. Das wiederum bedeutet aber auch, dass die Erwartungen der Kunden höher sind als je zuvor und mit jedem neuen, großartigen Erlebnis, das von einem Unternehmen entwickelt wird, weiter angehoben werden.

“We’re now competing with the best experience a consumer has ever had.”2
think with Google

Aber was genau erwarten Kunden von Marken, wie können Unternehmen ein starkes Erlebnis schaffen?

Help me faster:
Da neue Technologien immer schnellere Erlebnisse zulassen, werden wir zunehmend ungeduldig und sind nicht mehr bereit, zu warten: Wir alle möchten, dass unsere Bedürfnisse so schnell wie möglich befriedigt werden. Eine Studie belegt, dass 53% der Nutzer abspringen, wenn eine mobile Website länger als 3 Sekunden lädt. So bestellen wir per Sprachbefehl einen neuen Kasten Wasser bei Siri, bezahlen unseren Kaffee mit nur einer Berührung und passieren die Sicherheitskontrolle am Flughafen mit dem QR-Code auf unserem Handy. Das Resultat: Es gewinnt nicht mehr der Anbieter, der das beste Erlebnis bietet, sondern der, der es sofort bietet.

Know me better:
Personalisierte Erlebnisse rücken in den Vordergrund: Kunden erwarten vermehrt, dass Marken ihr Kaufverhalten kennen und anhand getätigter Käufe individuelle, für den Kunden relevante Inhalte bieten. Hat ein Nutzer also gerade ein iPad gekauft erwartet er, dass die Marke ihm eine passende Schutzhülle anbietet. Laut einer Studie gaben 89% US-amerikanischer Unternehmen an, ihren Umsatz durch personalisierte Inhalte gesteigert zu haben. So gibt das Streamingportal Netflix den Wert seiner personalized recommendation engine mit einem Wert von etwa 1 Mrd. US-Dollar pro Jahr an.3

Wow me everywhere:
Egal, auf welchem Kanal ein Nutzer mit einer Marke interagiert, er erwartet konsistente Erlebnisse. Das bedeutet beispielsweise, dass In-Store Berater wissen müssen, welche Produkte der Kunde bereits im Onlineshop erworben hat, um individuelle Empfehlungen treffen zu können. Der Nutzen für Unternehmen: Kunden, die nicht nur offline, sondern auch online kaufen, sind bis zu sechsmal so viel wert wie Kunden, die ausschließlich im Geschäft kaufen.

Gelingt es einer Marke, diese drei Aspekte zusammenzubringen, wird sie nicht nur das Herz des Kunden gewinnen, sondern auch sein Geld.4

Become a Visionary Thinker

Die Vision eines Unternehmens beschreibt, wo es langfristig hingehen soll. Sie malt ein klares Bild der Zukunft und schafft es, Menschen zu begeistern und ein gemeinsames Verständnis herzustellen. Eine Vision sollte hierbei nichts sein, was ein Unternehmen innerhalb kurzer Zeit erreichen kann. Vielmehr gilt es, eine Vision zu entwickeln, die zwar realisierbar ist, jedoch nicht von heute auf morgen und ohne viel Aufwand und Anstrengung erreicht werden kann. Elon Musk beispielsweise plant, im Jahr 2024 die erste bemannte BFR („Big Fucking Rocket“) auf den Mars zu schicken und den roten Planeten zu kolonisieren. Aber so weit muss nicht ein jeder Visionär gehen. Eher sollte sich ein Unternehmen folgende Frage stellen:

“The common question that gets asked in business is, ‘why?’
That’s a good question, but an equally valid question is, ‘why not?’“5
– Jeffrey Bezos, Gründer und CEO von Amazon

So sollten Unternehmen über ihren Purpose hinausdenken und sich trauen, die Grenze des Machbaren auszuloten und ihre mentalen Grenzen zu durchbrechen. Sie müssen sich trauen, Risiken einzugehen und Innovationen anzutreiben.
Schauen wir uns einmal Amazon an. Die Vision des Unternehmens lautet: “Our vision is to be Earth’s most customer centric company; to build a place where people can come to find and discover anything they might want to buy online.” Doch viel mehr noch als das versteht Bezos Amazon als ein Innovationsunternehmen, das sich der Entwicklung neuer Erfahrungen und Lösungen verschrieben hat. So entwickelte Amazon in den vergangenen Jahren den Lautsprecher Echo mit dem integrierten intelligenten Voice-Service Alexa, führte AmazonFresh ein, mit dem sich der Wocheneinkauf bequem online erledigen lässt und widmet sich derzeit der Entwicklung von Prime Air, einem zukünftigen Liefersystem, welches Bestellungen mithilfe von Drohnen in nur 30 Minuten zum Kunden bringt. Amazon ist es gelungen, eines der innovativsten Unternehmen der Welt zu werden. Denn „jeder Mitarbeiter versteht sich als Unternehmer, dessen Aufgabe es ist, kühne Ideen zu entwickeln“6. Jeden Tag aufs Neue.

Vorsätze sind nett und irgendwie gehören sie auch dazu, um mit neuer Motivation ins nächste Jahr zu starten. Trotzdem schwingt in jedem Neujahrsvorsatz ein kleiner Funke Bequemlichkeit mit – das Wissen, dass man sich noch nicht sofort mit neuen und schwierigen Aufgaben auseinandersetzten muss sowie die Ausrede, die Arbeit noch ein paar Wochen vor sich herschieben zu können.
Wir wissen, dass die Vorsätze, die wir für das Jahr 2018 definiert haben, ambitioniert sind. Und wir wissen auch, dass sie im neuen Jahr genau deswegen schon nach wenigen Wochen im Alltagsstress untergehen können. Unser Vorsatz für 2018 lautet aus diesem Grund, sich öfter zu fragen: Was ist der erste Schritt, den ich jetzt machen kann, um meine Vorsätze zu erreichen? Warum auf morgen, nächste Woche oder das neue Jahr warten, anstatt heute aktiv zu werden? Also laufen Sie los, laufen Sie los in ein erfolgreiches Jahr 2018.

 

Quellen:
1 T-Systems: Interview mit Digitalvordenker Karl Heinz Land
2 think with Google: The consumer behaviors shaping the next generation of mobile experiences
3 Business Insider: Why Netflix thinks its personalized recommendation engine is worth $1 billion per year
4 think with Google: The consumer behaviors shaping the next generation of mobile experiences
5 Facebook: Jeff Bezos
6 Amazon: Innovation

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