Dickes B: Warum sich jede Marke mit Blockchains beschäftigen sollte.

Blockchains sind einer der größten Trends der Technikszene. Nicht nur, weil sie die Grundlage der Internet-Währung Bitcoin bilden – sie können noch viel mehr.

 

von Mathias Kowalik

Blockchains sind Datenbanken, die dezentral in einem Netzwerk verteilt sind. Die Datensätze werden verkettet, was sie besonders sicher macht.

• 47 Prozent der deutschen Unternehmen prüfen aktuell den Einsatz von Blockchain, 21 Prozent arbeiten an Proto­typen.

• Konzerne wie Walmart und Kodak nutzen die Technik schon heute.

So mancher Börsianer staunte nicht schlecht, als der Aktienkurs der „Long Island Iced Tea Corp.“ im vergangenen Dezember binnen weniger Stunden von 2,44 US-Dollar auf 6,91 US-Dollar schoss – und sich damit fast verdreifachte. Zuvor hatte der Getränkehersteller angekündigt, sich in „Long Blockchain Corp.“ umzubenennen: Ab sofort wolle man sich nicht mehr nur Getränken, sondern auch der Blockchain-Technologie widmen, teilte das Unternehmen mit.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Aktien eines Unternehmens dank Blockchains in die Höhe schnellen. Anleger und IT-Experten sind sich längst einig: Die Datenbanktechnologie wird Marken und Unternehmen nachhaltig verändern.

Doch was genau verbirgt sich dahinter? Einfach gesagt sind Blockchains Datenbanken, die nicht an einem Ort liegen, sondern in einem dezentralen Rechnernetzwerk verteilt sind. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und die wohl prominenteste ist die Internet-Währung Bitcoin: Weil die Daten der Blockchain auf vielen Rechnern verteilt sind, können Bitcoins nicht einfach gelöscht oder manipuliert werden.

Durch einen ausgeklügelten Mechanismus werden die einzelnen Datensätze – die sogenannten „blocks“ – nach dem Einspeisen verifiziert: Jeder Rechner muss die Echtheit des Eintrags verifizieren. Erst wenn das geschehen ist, wird der Datenblock in die Kette integriert. Aufgrund dieser Struktur funktioniert die Technik unabhängig von einer zentralen Instanz, weshalb die Währung Bitcoin ohne Banken oder Staaten auskommt.

Jedes zweite deutsche Unternehmen prüft Einsatz von Blockchains

Viele Unternehmen haben den Nutzen der Technik bereits für sich erkannt. Einer Umfrage zufolge erwarten weltweit zwei Drittel der Unternehmen mit mehr als 20.000 Mitarbeitern, die Technologie bis Ende des Jahres integriert zu haben. Laut der ­Studie „Potenzial­analyse Blockchain“ prüfen 47 Prozent der deutschen Unternehmen den Einsatz von Blockchain, 21 Prozent arbeiten an Proto­typen.

Denkbare Anwendungen gibt es viele: Mehr Transparenz, Sicherheit und Effizienz sind die dabei nur einige Stichworte. Fest steht, dass Blockchains komplizierte Prozesse künftig einfacher und schneller gestalten können; zum Vorteil des Kunden und des Unternehmens. So können Unternehmen mit Blockchains neue Begehrlichkeit für Marken, Produkte und Dienstleistungen wecken – und sich damit entscheidende Vorteile im Kampf um die Gunst der Kunden sichern.

Konzerne wie Walmart nutzen Blockchains schon heute. Dank Blockchain kann das Unternehmen nun binnen zwei Sekunden von der Packung einer Mango den Transportweg nachvollziehen und auf ihre genaue Herkunft schließen. Ein Vorgang, der früher Wochen gedauert hätte. So kann das Unternehmen zum Beispiel die Herkunft kontaminierter Ware schneller ausfindig machen.

Die für Walmart, aber auch für den Kunden wichtigen Themen Nachhaltigkeit und Transparenz werden durch die Blockchain gestärkt; wichtig in Zeiten, in denen Marken weltweit immer wieder das Vertrauen der Menschen verspielen.

Blockchain entschädigt Fluggäste automatisch

Auch der Versicherer Axa nutzt inzwischen die Blockchain-Technologie. Bislang mussten Fluggäste bei einer Verspätung ihre Schadensersatzansprüche selbst geltend machen – ein oft zeitraubender und nerviger Prozess.

Nimmt ein Nutzer die neue Blockchain-Police des Versicherers in Anspruch, wird die Schadenmeldung im Falle einer Verspätung über die Blockchain abgewickelt und der Kunde erhält automatisch sein Geld. Axa kann sich dank der neuen Technik und mit diesem bislang einzigartigen Serviceversprechen von anderen Versicherern abheben –wichtig gerade im Versicherungsmarkt, in dem sich viele Produkte ähneln.

Auch Kodak wird demnächst ein blockchain-basiertes Angebot namens KodakOne auf den Markt bringen: Fotografen sollen hier ihre Werke als Blockchain-Eintrag registrieren können; Kodak will dann das Web auf unerlaubte Nutzungen der Bilder durchsuchen. Bezahlt werden soll auf der Platform mit einer eigenen Internet-Währung, dem KodakCoin, der genau wie Bitcoins auf Blockchains basiert.

Hier hilft die Blockchain-Technik, Werke vor Raubkopie zu schützen und für eine faire Vergütung der Fotografen zu sorgen. Mit dem Start der neuen Plattform geht Kodak weit über den bloßen Verkauf von Kameras und Zubehör hinaus. Das Unternehmen positioniert sich damit als Marke mit einem höheren Zweck: der Demokratisierung von Fotografie.

Wie der Eistee-Hersteller „Long Island Iced Tea Corp.“, konnte sich Kodak über mangelndes Investoreninteresse an ihrem Blockchain-Experiment nicht beklagen. Zwar verdreifachte sich die Aktie nicht. Doch 120 Prozent Steigerung sind für den Anfang ja auch nicht schlecht.

Learnings

Die Beispiele zeigen: Blockchains sind mehr als die Grundlange von Bitcoins oder anderer Kryptowährungen. Sie sind für die gesamte Wirtschaft interessant. Diese drei Learnings sollten Sie beherzigen, wenn auch Sie mit dem Gedanken um Blockchains spielen:

1. Vom Nutzen und Nutzer her denken.
Auch wenn die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt: Die Wünsche und Bedürfnisse in der Zielgruppe sind schon lange da. Fragen Sie sich deshalb: Welches Bedürfnis haben meine Kunden da draußen, das ich mit der Blockchain bedienen kann? Es geht nicht darum, die Blockchain als Gimmick nur wegen ihres innovativen Charakters zu nutzen. Am Ende soll sie Lösungen für echte Probleme liefern.

2. Finden Sie Ihre Antwort auf das Warum.
Was ist Ihre Blockchain-Vision? Stellt die Blockchain eine Verbesserung oder Erweiterung Ihres bestehenden Angebots dar? Oder hat sie gar das Potential, Ihr ganzes Unternehmen auf den Kopf zustellen? Erst wenn Sie diese Frage für sich beantwortet haben und eine Vision formuliert haben, sind Sie bereit für die nächsten Schritte und können Initiativen, Personen und Prozesse auf Basis dieser Vision aufbauen. Die Vision von Kodak ist es, die Fotografie zu demokratisieren; Blockchain und die Plattform KodakOne werden zum Baustein dafür.

3. Schauen Sie ohne Scheuklappen auf den Wettbewerb.
Auch wenn Sie noch nichts zum Thema Blockchain von der Konkurrenz gehört haben, muss das nicht heißen, dass das Thema für Ihre Branche nicht relevant ist. Was für Walmart die Rückverfolgung der Mango ist, kann für ein Modelabel die Geschichte der Fertigung eines Kleidungsstückes sein. Gehen Sie voran und lassen Sie sich von führenden Cases inspirieren. Was ist in naher Zukunft möglich? Was ist heute schon realisierbar? Warum nicht auf Tuchfühlung mit der Startup-Szene gehen, den Austausch suchen, neue Perspektiven gewinnen und sich vom visionären Denken inspirieren lassen?

 

Nützliche Links: 

Eine ausführliche und gut verständliche Beschreibung der Funktionsweise:
https://www.heise.de/tipps-tricks/Was-ist-eine-Blockchain-3860869.html

Weitere Cases zum Einsatz der Technologie:
https://www.clickz.com/brands-blockchain/209093/ (auf Englisch)

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