Digitalisierung: Nachhaltiger Wandel statt Prestigeprojekte

Viele Unternehmen hinken bei der Digitalisierung hinterher. Wie Führungskräfte und Mitarbeiter den Wandel gemeinsam gestalten.

von Leonie Hogrefe

  • 80 Prozent der Berufstätigen in Deutschland fürchten die Digitalisierung.
  • Digitalisierung ist kein Selbstzweck; jedes digitale Produkt sollte vor dem Einsatz kritisch hinterfragt werden.
  • Mit einer guten Digitalisierungsstrategie können auch skeptische Mitarbeiter in den Wandel einbezogen werden.
Die Digitalisierung, ein Segen? Nicht, wenn es nach Marc-Uwe Kling geht. In seinem aktuellen Roman QualityLand blickt der Bestsellerautor mit düsterem Humor in die Zukunft. Menschen küssen darin ihre Tablets, Roboter bewerben sich um das Amt des Regierungschefs und Algorithmen richten Schritt für Schritt das Leben der Menschen zugrunde.
Nicht nur Buchautoren, auch die Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland steht der technischen Entwicklung kritisch gegenüber. Laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erwarten 80 Prozent der Befragten, dass durch die Digitalisierung mehr Menschen beruflich abgehängt werden. Nur 16 Prozent teilen diesen Pessimismus nicht. 
Für Unternehmen wird dies zunehmend zum Problem. Wer „Digitalisierung in Unternehmen“ googelt, liest Schlagzeilen wie „Wirtschaft verschläft Digitalisierung“ oder „Unternehmenskultur behindert Digitalisierung“. Doch die gute Nachricht ist: Es gibt Wege, auch skeptische Mitarbeiter in die Digitalisierung des Unternehmens einzubeziehen. 

Immer wieder Dazulernen

Thomas Krüer, Personalleiter beim Münchner Lebensversicherer LV1871 erklärt in der „Computerwoche“, es sei wichtig, alle Mitarbeiter für den Wandel zu begeistern. Viele seiner Angestellten arbeiten schon 30 Jahre oder länger in dem Unternehmen. “Ich führe intensive Gespräche mit dem Betriebsrat. Alle unsere Mitarbeiter durchlaufen eine Transformation“, sagt er. Krüer motiviert Mitarbeiter unter anderem dazu, Weiterbildungen als festen Bestandteil ihrer Arbeit zu sehen. Statt in Tagesseminaren schult die LV1871 ihre Mitarbeiter über drei bis vier Monate.
Auf kontinuierliches Dazulernen setzt auch die Deutsche Telekom: Der Konzern bildet Tandems aus älteren und jüngeren Kollegen, die während der Arbeit voneinander lernen sollen. Simone Ashoff, Gründerin der Hamburger Good School, in der sie Führungskräften und Mitarbeitern in digitalen Fragen hilft, wird in einem Beitrag der „Welt“ zitiert: „Informelles Lernen im Job, also die Wissensvermittlung von Schreibtisch zu Schreibtisch oder bei der gemeinsamen Tasse Kaffee, hat eine wesentliche Bedeutung.“ 
Fest steht: Alle Mitarbeiter in den digitalen Wandel einzubeziehen, ist in vielen Unternehmen ein komplexer Prozess. Von Führungskräften erfordert er Einfühlungsvermögen und Geduld sowie die Gewissheit, dass die präsentierten digitalen Innovationen auch tatsächlich sinnvoll sind – und nicht in die Kategorie Bauarbeiterdusche fallen.

Learnings: 

1. Neue Technik muss eine Verbesserung des Status Quo herbeiführen. 
Hier lohnt sich ein Blick in Simon Sineks Bestseller „Start with Why“, in dem er Führungskräfte auffordert, zunächst nach dem Warum zu fragen, bevor ein neues Projekt angeschoben wird. Im Falle der Digitalisierung hieße die Frage: Warum brauchen wir diese neue Technik? Hilft sie uns wirklich, unsere Kunden besser zu bedienen?

2. Fast jeder steht neuen Technologien prinzipiell offen gegenüber. 
Im Privatleben nutzt der überwiegende Teil der Berufstätigen bereits digitale Produkte, etwa auf dem Smartphone. Unternehmer können sich die Frage stellen: Wie müsste ein digitales Tool aussehen, das die Mitarbeiter sofort benutzen wollen, weil es wirklichen Mehrwert schafft?

3. Um Mitarbeiter in den digitalen Wandel einzubeziehen, braucht es eine gute Digitalstrategie. 
Insbesondere das Thema Weiterbildung spielt hier eine große Rolle. Unternehmen sollten die kontinuierliche Schulung und Begleitung der Mitarbeiter bei der Digitalisierung in den Vordergrund rücken und Fortbildungsprogramme erarbeiten. 

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