Online-Commerce oder Offline-Handel?

von Pavel Kukushkin

Im Zuge der Dotcom-Blase im Jahre 2000 wurde der Tod der stationären Händler vorhergesagt.

Eine Prophezeiung, die auch fast 20 Jahre später noch weit von der Realität entfernt ist: 2018 befinden sich laut eMarketer noch immer 89,8% des weltweiten Einzelhandelsmarktes in der Offline-Welt. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich der stationäre Handel auf dieser Zahl ausruhen kann. Denn durch die Ausbreitung von E-Commerce und das Heranwachsen innovativer Online-Riesen schrumpfen die Marktanteile der eingesessenen Einzelhändler bereits seit Jahren.

Diese negative Entwicklung wird aktuell darüber hinaus durch die Tatsache verschärft, dass besagte Online-Riesen langsam beginnen, ihr gewohntes Territorium zu verlassen und Stück für Stück die Offline-Welt zu erobern. Amazon und Alibaba, die ihre Marktmacht fast ausschließlich dem Online-Vertrieb zu verdanken haben, befinden sich in den ersten Zügen, ihre Offline-Präsenz aufzubauen. So eröffnete Amazon im Januar 2018 sein erstes kassenloses „Amazon Go“-Ladengeschäft in Seattle.

Vier Monate später kündigte der Online-Versandhändler die Eröffnung von zwei weiteren Geschäften in Chicago und San Francisco an. Die Vision von „Amazon Go“: ein Shoppingerlebnis ganz ohne Einkaufsschlangen. Mithilfe der „Amazon Go“-App wird jedes Produkt, welches der Kunde aus dem Regal nimmt, automatisch in seine virtuelle Einkaufstasche gelegt; Der Gesamtbetrag des Einkaufs wird mit Verlassen des Stores vom Amazon-Konto des Nutzers abgebucht.

Ebenso machte Alibaba, das siebtgrößte Unternehmen der Welt, im September 2017 mit dem geplanten Bau eines eigenen Shopping-Centers Schlagzeilen. Unter dem Namen „More Mall“ soll das Einkaufszentrum in China neben herkömmlichen Handelsmarken auch Marken der eigenen E-Commerce-Plattform Platz bieten. In der Zwischenzeit hat der Internet-Riese aber bereits weitere Schritte in China unternommen, um in den physischen Einzelhandel einzudringen: Alibaba-CEO Jack Ma verkündete, dass er die Online-Welt mit der Offline-Welt verschmelzen will. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung eines eigenen Lebensmittelhandels, bekannt als „Hema“.

Ein Fazit:

Der stationäre Handel ist trotz aller Vorhersagen noch lange nicht tot. Selbst die Internet-Giganten sind dabei, neben ihren Online-Monopolen eine physische Präsenz aufzubauen. Nichtsdestotrotz sagen aktuelle Studien von eMarketer voraus, dass sich der Online-Anteil am gesamten Einzelhandelsmarkt von derzeit 10,2% in den nächsten Jahren fast verdoppeln wird (2021: 17,5%). Der klassische Einzelhandel steht somit vor der Herausforderung, die Abwanderung seiner Kunden zu E-Commerce-Händlern durch einzigartige Shoppingerlebnisse und die nahtlose Verbindung von offline und online abzuwenden.

Quellen und weiterführende Literatur: 

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