New Year, new Work

von Christine Schulz

Zukunft der Arbeit

Künstliche Intelligenz und Roboter sorgen dafür, dass immer mehr Jobs automatisiert werden. Credo von Apple, Amazon und Co. ist es, Arbeitsansprüche zu definieren, welche Maschinen nicht umsetzten können.

Der Wandel der Arbeitswelt ist im vollen Gange. Was vor einigen Jahrzehnten womöglich noch Stoff für Metropolis ähnliche Science-Fiction-Literatur gewesen wäre, ist bereits an der Tagesordnung. Längst wissen wir, dass standardisierte Arbeitsprozesse durch Maschinen oder Roboter ersetzt werden können. Doch immer ausgefeiltere Maschinen sorgen dafür, dass sogar komplexe Aufgaben wie Busfahren von Algorithmen übernommen werden können.

Eine vielzitierte Studie geht davon aus, dass rund 47 Prozent aller Beschäftigten in den USA zurzeit in Berufen arbeiten, die zumindest mittelfristig davon bedroht sind, durch Maschinen, Roboter und Computerprogramme ersetzt zu werden. Ebenfalls die Süddeutsche Zeitung hat im Zuge dieser Entwicklung vor einiger Zeit einen Rechner veröffentlicht, der zeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass man in seinem Job früher oder später durch einen Computer ersetzt wird (zum Beispiel: Buchhalter/Wirtschaftsprüfer 94%, Kammerjäger 66%, Reisebürokaufmann 61%).

Vor allem werden wohl Berufe wegfallen, in denen Präzision und Routine wichtig sind. Hier sind Maschinen einfach besser. Im Umkehrschluss folgt daraus allerdings, dass die Jobs der Zukunft durch spezifisch menschliche Charakteristika wie Kreativität, soziale Intelligenz und unternehmerisches Denken geprägt sein werden.

Die Antwort lautet „New Work“

Seit einiger Zeit kursiert ein Trend, der eine Art Gegenbewegung zur aktuellen Technisierung und Automatisierung der Arbeitswelt sein will, er heißt: „New Work“. Im Grunde geht es darum, spezifisch menschliche Eigenschaften wie Wertschätzung, Vertrauen, Individualität und Transparenz in das unternehmerische Handeln einfließen zu lassen. Flexibilität ist ebenso wichtig, wie neue Arten der Führung, die auf flache Hierarchien und Kollaboration beruhen.

Das „Zukunftsinstitut“ schreibt in einem Artikel zum Thema: „Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. New Work stellt die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt.“ New Work ist dabei mehr als ein Tischkicker für kreative Pausen und ein paar schicke Möbel für ein besseres Gefühl bei der Arbeit. Die größten und erfolgreichsten unser Zeit (GAFA – Google, Amazon, Facebook, Apple) haben sich dem New-Work-Ansatz verschrieben – und fördern und perfektionieren, was Roboter nicht können.

GAFA sind so überzeugt von New Work, dass sie ihr Erfolgskonzept mit der ganzen Welt teilen. Hier einige wichtige Learnings, aus denen jedes Unternehmen etwas für das neue Jahr mitnehmen kann:

  • Austausch anregen: Zwischen Büroräumlichkeiten und der Steigerung von Kreativität und Innovation, sehen nicht alle Unternehmen einen Zusammenhang. In den letzten Jahren haben Technologieunternehmen jedoch daran gearbeitet, diese Wahrnehmung zu ändern und begonnen Serendipity (glückliche Zufälle) mit Hilfe von Architektur zu fördern. Der grundlegende Gedanken ist, dass durch den ungezwungenen Austausch von Mitarbeitern neue Ideen geschaffen werden. Einer der ersten, welcher den Anstoß für diese neu gedachte Architektur schuf, war Steve Jobs – bei der Planung eines neuen Headquarters versuchte er lange durchzusetzen, dass das Gebäude nur mit einer Toilette ausgestattet sein sollte, damit Mitarbeiter beim Warten viel Zeit haben um sich auszutauschen.
  • Transparenz schaffen: Das Intranet von Google ist so aufgebaut, dass jeder Mitarbeiter, unabhängig von der Position im Unternehmen, auf nahezu alle Unternehmensinformationen, sowie auf einen Überblick über die aktuellen Projekte aller Mitarbeiter zugreifen kann. Ziel ist es, die Navigation der Arbeit zu erleichtern und eine direkte Kommunikation im Falle von Problemen zu ermöglichen.
  • Agilität fördern: Bei Amazon gibt es die sogenannte Two-Pizza-Regel, die besagt: Um bei der Arbeit agil zu bleiben, muss jedes Team klein genug sein, um von zwei Pizzen satt werden zu können. Und während in den meisten Unternehmen eine konzentrierte und aufgabenorientierte Arbeitskultur die einzig wahre ist, hat Facebook mehrere Möglichkeiten der Ablenkung geschaffen, die es den Mitarbeitern (ähnlich wie Möbeln und Wänden) ermöglichen, sich physisch zu bewegen, um neue Teams und Arbeitsgruppen zu bilden und den Austausch von Ideen und die Zusammenarbeit zu verbessern.
  • Risiken eingehen: Laut Jeff Bezos, CEO von Amazon, hat es keinen Wert, bahnbrechende Ideen zu haben, wenn ein Unternehmen sie nicht schnell auf den Markt bringen kann. Deshalb fordert Amazon seine Mitarbeiter auf, den Innovationsprozess durch schnelle Entscheidungen zu beschleunigen, um Energie und Dynamik zu erhalten. Die meisten Entscheidungen seien schließlich reversibel und korrigierbar, „während langsam zu sein, sicher teuer sein wird“.

 

Quellen:

https://gfx.sueddeutsche.de/pages/automatisierung/

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/mtglossar/new-work-glossar/

https://www.rolandberger.com/de/Point-of-View/Die-Zukunft-der-Arbeit.html

Iyer, B. / Davenport, T. (2008): Reverse Engineering Google’s Innovation Machine. In Harvard Business Review. URL: https://hbr.org/2008/04/reverse-engineering-googlesinnovation-machine accessed on 02.01.2018.

Christensen, C. (2000): Competitive Innovation Management, 2nd edition.

http://www.annualreports.com/Company/amazoncom

https://www.rolandberger.com/de/Point-of-View/Die-Zukunft-der-Arbeit.html

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/mtglossar/new-work-glossar/

https://gfx.sueddeutsche.de/pages/automatisierung/

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