Stille Revolution

 

von Leonie Hogrefe

Die weibliche Seite der Digitalisierung

Die Digitalisierung ändert nicht nur die technischen Möglichkeiten, sie macht die Arbeitswelt auch weiblicher.

Selbstfahrende Autos, allgegenwärtige Bildschirme und Pakete, die von Drohnen geliefert werden: Die Digitalisierung ist omnipräsent. Doch ein Faktor wird bislang kaum gesehen: Die Digitalisierung macht die Arbeitswelt nicht nur technisch avancierter, sondern auch weiblicher. Sylvia Coutinho, die brasilianische Chefin der Großbank UBS, sagt: „Die Digitalisierung ist für Frauen so etwas, wie es die Pille in den 60er Jahren war: Sie eröffnet alle möglichen Freiheiten.“

Neue Arbeitsweisen

Bisherige Nachteile wie das Fehlen physischer Kraft oder flexibler Arbeitszeiten werden in der digitalisierten Welt immer mehr relativiert. Ein Beispiel sind Konzepte wie Home Office, Remote Work oder Job Sharing. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist plötzlich keine rein weibliche Forderung mehr, sondern eine Forderung, die nahezu alle Digital Natives an ihre Arbeitgeber stellen – und oft erfüllt kriegen.

Die Teilzeitfalle könnte bald Geschichte werden, wenn Frauen und Männer gleichermaßen ihren Arbeitsalltag frei gestalten und es ihnen ermöglicht wird von zu Hause oder weit weg zu arbeiten. Kurz: Wenn künftig mehr auf Leistung als auf Anwesenheit geachtet wird. Zudem werden Eigenschaften wie Empathie, Teamfähigkeit und Netzwerker-Qualitäten immer bedeutsamerer. Alte Hierarchien und alte Mann-Frau-Rollenmuster verschieben sich – und schaffen Platz für Neues.

New Work lautet ein Begriff, um diese neue Arbeitswelt zu beschreiben. Große Konzerne wie Google und Apple gelten als Vorreiter, jedoch ist der Sinneswandel noch nicht überall angekommen: „New-Work-Konzepte hängen vor allem von der Führung ab“, sagt Claudia Wentsch, Director HR bei Microsoft Deutschland GmbH. Es sei zwar „intellektuell das Verständnis für New Work da – emotional müsste aber noch nachgeholfen werden.“

Gleichberechtigung stärken

Doch bei allem berechtigten Optimismus ist es noch ein weiter Weg zur vollständigen Gleichberechtigung: Bis heute werden nur drei von zehn Unternehmen in Deutschland von Frauen gegründet, nur bei 13 Prozent aller Start-ups sitzt eine Frau im Gründungsteam, und nur halb so viele Frauen wie Männer sind selbstständig.

Eines ist klar: Wenn in Zukunft immer mehr Berufe durch Roboter ersetzt werden, werden sich Arbeitnehmer auf ihre spezifisch menschlichen Eigenschaften und Stärken besinnen müssen – dabei dürfen die weiblichen nicht vernachlässigt werden.

Für Unternehmen gilt es, die individuellen Stärken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gezielt zu fördern, um sie gewinnbringend einsetzen zu können. Wer wettbewerbsfähig und zeitgemäß bleiben möchte, muss eine Kultur der Vielfalt pflegen und sie nach innen wie nach außen leben.

 

Quellen:

https://www.wearesquared.de/blog/frauen-als-treiber-der-digitalen-transformation

https://www.accenture.com/t20161011T024259__w__/de-de/_acnmedia/Careers/PDF-5/Accenture-Frauenstudie-2016.pdf

Sheconomy – profitieren Frauen besonders vom digitalen Wandel?

https://www.huffingtonpost.de/entry/digitalisierung-chancen-frauen_de_5b0bf4e4e4b0802d69cd1b43

https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_311.pdf

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