Führen mit Gefühlen! Ein Aufruf für emotionale Intelligenz.

 

Warum wir mehr New Leader brauchen. Und warum diese Mut zur Emotion haben sollten.

Von Berrak Sue Sarikaya

Er ist der neue Star fast jeder Sitcom: der mürrische, autoritäre Boss à la Stromberg. Doch leider ist er nicht nur ein Einfall lustiger Drehbuchschreiber. Die meisten Menschen wurden wohl bereits am Arbeitsplatz mit dem autoritären Führungsstil konfrontiert. Laut aktueller Studien ist dieser in 24 Prozent aller Unternehmen Realität.

Im Gallup Engagement Index, Deutschlands umfangreichster Studie zur Arbeitsplatzqualität heißt es: „Führungskräfte müssen sich bewusst sein, dass sie diejenigen sind, die durch ihr Verhalten einen erheblichen Einfluss auf die Unternehmenskultur haben. Denn emotionale Bindung wird im unmittelbaren Arbeitsumfeld erzeugt.“ Der direkte Vorgesetzte sei dabei das A und O – das gelte in allen Unternehmen.

Der Autor Marco Nink, der Daten und Erkenntnisse aus 13 Jahren Gallup-Studie analysiert hat, bilanziert: „In Zukunft braucht es Führungskräfte, die in der Lage sind, die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erfüllen und sie zu motivieren, das Beste aus sich herauszuholen. Dann sind Unternehmen auch am Markt erfolgreich.“

Forscher unterscheiden sechs Führungsstile

Der bekannte amerikanische Psychologe Daniel Goleman hat sechs unterschiedliche Führungsstile herausgearbeitet, von denen jeder einzelne in bestimmten Situationen seine Berechtigung hat. Denn ein guter Chef ist auch jemand, der in der Lage ist, von einem Gang in den anderen zu schalten. Goleman charakterisiert folgende Typen:

  • Der visionäre Chef gibt seinem Team eine Richtung oder ein Ziel vor und lässt den Mitarbeitern dann relativ freie Hand. Das erzeugt zwar erstmal eine positive Stimmung, kann aber leicht im Chaos enden, wenn die losen Enden der kreativen Ideen nicht mehr zusammengefügt werden. Sinn ergibt dieser Stil, wenn beispielsweise grundlegende Veränderungen bevorstehen oder auf eine klare Richtung hingearbeitet wird.
  • Der coachende Chef konzentriert sich eher auf einzelne Mitarbeiter als auf das gesamte Team, baut Potentiale und Fähigkeiten durch persönliche Gespräche auf und pflegt enge Bindungen zu seinen Angestellten. Dieser Stil ist anstrengend und aufwendig, loht sich aber; bekannt ist er vor allem aus dem Leistungssport.
  • Der gefühlsorientierte Chef geht offen mit der Atmosphäre im Team um, legt den Fokus auf die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter und setzt auf Vertrauen und Respekt. Es kann Sinn machen, diesen Stil mit einem anderen zu verknüpfen – alleine sorgt er zwar für ein hervorragendes Klima, fördert aber vielleicht inhaltlich nicht allzu viel Effektivität. Die Wichtigkeit von guten Beziehungen im Arbeitsumfeld sollte jedoch niemals unterschätzt werden – und auf gar keinen Fall vom Chef als Nebensache abgetan werden, mit der er nichts zu tun hat.
  • Der demokratische Chef bindet immer alle in Entscheidungen mit ein, diskutiert und akzeptiert. So werden die Ergebnisse häufiger allgemein akzeptiert und verstanden, das Team wird gestärkt. Unter Umständen kann aber auch dieser Stil in Orientierungslosigkeit und Herumeiern enden.
  • Hohe Erwartungen an nur die besten Leistungen hat der fordernde Chef. Dessen Stil kann auf Dauer Stress auslösen und demotivierend wirken, eignet sich aber, um das Team durch kurze, anspruchsvolle Phasen zu leiten und das Beste herauszuholen, wenn es wirklich darauf ankommt.
  • Der anfangs erwähnte grimmige Tyrann kann wohl am ehesten dem des befehlenden Chefs zugeordnet werden. So ein Chef erwartet von seinen Angestellten, dass sie seine Anweisungen befolgen, ohne sie zu hinterfragen oder sich selbst einzubringen. Dieser Stil führt am schnellsten zu Unzufriedenheit. Somit ist es wenig verwunderlich, dass nur drei Prozent der Befragten in einer Studie der Personalberatung Rochus Mummert angaben, sich einen autoritären Führungsstil zu wünschen.

Am beliebtesten ist der coachende Chef: 46 Prozent der Teilnehmer wären gerne Teil eines Teams unter einer solchen Leitung. Dr. Hans Schlipat, Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe, sagt: „Unsere Studienergebnisse belegen eindeutig, dass Manager ihre Mitarbeiter nicht als Zielgruppen, sondern als Menschen ansprechen müssen.“

Aber worauf muss man als Führungskraft genau achten, wenn man sich all das zu Herzen nehmen will? Goleman schreibt hierzu in seinem berühmten Artikel „What Makes a Leader?“ im Harvard Business Review:

„The most effective leaders are all alike in one crucial way: they all have a high degree of what has come to be known as emotional intelligence. It’s not that IQ and technical skills are irrelevant. They do matter, but…they are the entry-level requirements for executive positions. My research, along with other recent studies, clearly shows that emotional intelligence is the sine qua non of leadership. Without it, a person can have the best training in the world, an incisive, analytical mind, and an endless supply of smart ideas, but he still won’t make a great leader.“

Ein guter Chef zu sein heißt heute, einen Raum für Austausch und freies Denken zu schaffen. Agile Arbeitsmethoden, kollaboratives Arbeiten und erfolgreiche Selbstorganisation von Teams brauchen Vertrauen. Dieses Vertrauen muss auf eine ehrliche und ernstgemeinte Weise kultiviert werden. Emotionale Führung bedeutet in diesem Sinne das Zulassen von Diskursen, Dialogen und geteiltem Ownership. Dafür braucht es vor allem interpersonelle Kompetenzen und ein klares Verständnis über die eigene Rolle.

Nur so zieht man die Mitarbeiter an, die der Professor Jörg Knoblauch als Mutmacher bezeichnet – in Abgrenzung zu den Typen Miesmacher und Mitmacher: Während Miesmacher nach kürzester Zeit bereits innerlich gekündigt haben und unter Umständen die Ergebnisse noch sabotieren, der Mitmacher unauffällig, aber eben auch langweilig ist, engagieren sich Mutmacher mit ganzem Herzen für ihren Beruf und schießen sozusagen die Tore. Diese Menschen finden ihren Platz am ehesten in zeitgemäßen Unternehmen – mit zeitgemäßem Führungsstil.

Quellen

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