Stressless Tech

 

von Xenia Schwarz

Wie Unternehmen und Marken neue Technologien zur Beeinflussung von Stimmung und Emotion für sich nutzen können

Stetig kommen neue Technologien auf den Markt, die den Menschen dabei unterstützen sollen, sein geistiges und körperliches Wohlbefinden zu verbessern und zu stärken. Millionen von Menschen in aller Welt versuchen mithilfe von digitaler Technologie ihre Gefühle und Gedanken zu kontrollieren, zu ihrer inneren Mitte zu finden und somit zur Ruhe zu kommen. Der stetig wachsende Wellbeing-Markt ist Indikator für die zunehmende Präsenz von Stress und den Versuch des Menschen, diesem entgegenzuwirken. Der Vorreiter dieser neuen Gefühlsdigitalisierung und heutiger Marktführer in diesem Bereich ist das kalifornische Unternehmen Headspace, das seine gleichnamige App seit 2012 anbietet. Bereits mehr als 17,5 Millionen Menschen in über 190 Ländern nutzen diese, um zu meditieren und Gefühle wie Nervosität, Angst und Wut zu lindern sowie Stimmungen wie Dankbarkeit, Gelassenheit und Zuversicht zu stärken. Der Marktwert von Headspace wird derzeit auf 320 Millionen Dollar geschätzt. Dies zeigt nur allzu deutlich das bestehende Bedürfnis des Menschen nach stressreduzierenden Maßnahmen.

Gesteuerte Stressreduktion durch Echtzeit-Emotionserkennung

Laut der aktuellen Studie “Chefsache Business Travel 2019″, einer Initiative von Travel Management Companies im Deutschen Reiseverband (DRV), sind 77 Prozent der Befragten auf Dienstreisen angespannt – 23 Prozent sogar stark oder sehr stark – und empfinden diese als stressig. Nicht verwunderlich, dass Verspätungen von 20 Minuten oder mehr zu chronischem Stress und Burnout führen können, wie aktuelle Untersuchungen der Universität Montreal belegen. Dieses Thema wird immer bedeutender, wenn man bedenkt, dass die durchschnittlichen Pendlerzeiten zunehmend länger werden. Als Reaktion darauf nutzen innovative Unternehmen Echtzeit-Emotionserkennung und künstliche Intelligenz (KI), um Stress zu bekämpfen und ein Gefühl des Wohlbefindens und der Ruhe auf Reisewegen zu vermitteln.

Clear Channel Sweden, eine schwedische Außenwerbeagentur, nutzt urbane Daten, um eine emotionsgesteuerte Kunstausstellung zu kreieren die dazu beiträgt, Reisende zu beruhigen. Die Emotional Art Gallery, die vom 7. bis 24. März 2019 im Stockholmer U-Bahn-System zu sehen war, synthetisierte in Echtzeit öffentlich zugängliche Daten aus Google-Suchen, sozialen Medien, Nachrichten und Verkehrsinformationen, um die Stimmung in der Stadt zu bestimmen. „Alle Unternehmen verfolgen als Recherche für ihre Kommunikation aktuelle Nachrichtenereignisse und Trends. Also haben wir uns überlegt, warum wir diese Art von Echtzeitdaten nicht als eine neue Art von kreativem Input nutzen sollten”, sagt Clear Channel Chief Content Officer Finn Wikander. Das System nutzte die Daten, um passende Motive auszuwählen und auf 250 angeschlossenen Bildschirmen zu zeigen, die zur Bekämpfung von Stress und Ängsten von Pendlern bestimmt waren. Sechs Künstler trugen mit maßgeschneiderten Arbeiten, die Gefühle von Energie, Liebe, Frieden, Ruhe, Glück, Komfort und Sicherheit hervorrufen sollten, zur Ausstellung bei.

Stressfrei am Steuer Dank Echtzeit-Emotionserkennungstechnologie

Der südkoreanische Automobilkonzern Kia arbeitet ebenfalls daran, den Stress der Reisenden mit seinem Realtime Emotion Adaptive Driving (R.E.A.D.) System zu verringern. Das System, das Kia auf der CES – der International Consumer Electronics Show – im Januar 2019 vorstellte, überwacht die Emotionen des Fahrers mithilfe einer Biosignal-Erkennungstechnologie. Das KI-basierte System analysiert Gesichtsausdrücke, Herzfrequenz und elektrodermale Aktivität, um den emotionalen Zustand zu bestimmen und passt daraufhin das Innere des Autos wie Beleuchtung oder Musik an, um den Gemütszustand des Fahrers zu verbessern.

„Das System [R.E.A.D.] ermöglicht eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrzeug durch die unausgesprochene Sprache des Gefühls und bietet dem Fahrer so einen optimalen, sinnhaften Raum in Echtzeit”, sagt Albert Biermann, Präsident und Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung der Hyundai Motor Group. Durch die Anpassung des Fahrzeuginnenraums an die individuellen Bedürfnisse des Fahrers will Kia die Gesamtfahrweise verbessern und Stress abbauen.

Stressreduktion am Flughafen durch Emotionserkennungsroboter

Auch das Reisen mit dem Flugzeug ist Stressauslöser: 97 Prozent der US-Fluggäste geben an, vom Flugverkehr frustriert zu sein. Flughäfen wie der Istanbul New Airport in der Türkei haben das Ziel, die Erfahrungen der Reisenden mit neuen Emotionserkennungsrobotern zu verbessern. Nely, ein Sozialroboter aus der Türkei, kann Reisenden Informationen über Traffic, Gates und Wettervorhersagen liefern, während er die Emotionen der Benutzer liest und entsprechend reagiert. Die Entwickler hoffen, dass die Interaktionen für die Menschen durch die Reaktion des Roboters auf Emotionen nützlicher und angenehmer wird und somit ihr Stresslevel reduziert.

Technologie, die Emotionen erkennt und darauf reagiert, kann sicherlich dazu beitragen, das Wohlbefinden der Pendler und Menschen an sich zu verbessern. Dank zunehmender Optimierung und Weiterentwicklung nutzen Marken Technologien vermehrt aktiv, um nicht nur unsere Reisen, sondern auch unser allgemeines Wohlbefinden zu verbessern. Durch den Abbau von Stress können sich Unternehmen und Marken zu einem unschätzbar wertvollen Teil im alltäglichen Leben des Menschen entwickeln. So können unterbewusst positive Verbindungen zwischen Marke und Mensch geschaffen werden.

 

Quellen:

https://www.drv.de/pressecenter/presseinformationen/pressemitteilung/detail/geschaeftsreise-studie-bahnfahren-sorgt-fuer-stress.html
https://lbbonline.com/news/stockholms-metro-transforms-into-digital-art-gallery-to-combat-commuter-stress/
https://www.kiamedia.com/us/en/media/pressreleases/14844/ces-2019-kia-prepares-for-post-autonomous-driving-era-with-ai-based-real-time-emotion-recognition-te
https://eu.usatoday.com/story/travel/flights/todayinthesky/2017/03/06/traveler-survey-hntb-airports-airlines/98688376/
https://www.zeit.de/zeit-magazin/2018/09/meditations-apps-smartphone-headspace-achtsamkeit-stress
https://www.smart-industry.net/head-social-robot-with-empathy/

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